Ein Magnet und eine Glückszahl

Siglufjörður ist die nördlichste Stadt Islands und der Standort der Brauerei Segull 67. Drei Generationen brauen hier zusammen Bier. Das dies so ist, grenzt beinahe an ein Wunder.

1903 kamen norwegische Heringfischer mit ihren Schiffen in die fischreiche Region am Héðinsfjörður. Dies war der Start in die "Hering-Ära", eine Zeit, die Siglufjörður zur Welthauptstadt der Heringsfischerei machte. Im Ort entstanden 5 Fischfabriken, 23 Fisch-Salzereien und über 100 Fischflotten. Die permanente Einwohnerzahl wuchs auf über 3'000 und bis zu 10'000 Leute kamen in der Hoffnung auf Arbeit. Die Strassen dieser kleinen Stadt waren so überfüllt wie in den grossen Metropolen der Welt.
Dann im Sommer 1969 kamen die Heringe nicht mehr. Die Überfischung forderte ihren Tribut. Eine ganze Industrie, die inzwischen die Hälfte der Exporte Islands ausmachte, brach zusammen. Siglufjörður und viele andere Orte in Island fielen in eine grosse Depression. Zurück blieben leere Industriehallen, eine grosse Arbeitslosigkeit und Abwanderung. Zwanzig Jahre später gründete eine Gruppe Freiwilliger in Siglufjörður einen Verein mit dem Ziel, die alten Industriegebäude zu restaurieren und an die Geschichte der Heringfischerei zu erinnern. Es entstand das "Herring Era Museum", das in mehreren alten Gebäuden die Vergangenheit aufleben lässt und als einziges Museum Islands mit dem European Museum Award ausgezeichnet wurde.
Mit dem Museum kam wieder Leben in den Ort. Heute gibt es Cafés und Restaurants mit bunten Fassaden und für viele gehört Siglufjörður zu den schönsten Orten Islands.
Das Museum und der damit verbundene Aufschwung waren auch das Glück der kleinen Brauerei Segull 67. Mit viel Herzblut brauen der Grossvater, Vater und Sohn mit Hilfe der ganzen Familie in einer ehemaligen Fischfabrik Bier. Segull heisst auf isländisch Magnet und steht für die Kompassnadel, die immer nach Norden zeigt und 67 war schon immer die Glückszahl der Familie. Der Urgrossvater fuhr mit einem Lastwagen mit dem Nummernschild F67 Heringe durch die Gegend und der Grossvater fischte Heringe in einem Schiff mit der Nummer SI67 - damals zur Zeit der Hering-Ära.


